Deckblatt broschüre

Jugend beteiligen digital – auch in meiner Kommune?!

Fachveranstaltung informiert über Jugendbeteiligungsprojekte im Landkreis und die Chancen der Beteiligung 4.0

„Junge Menschen an den Geschicken der Kommune zu beteiligen ist nicht nur Wunsch vieler Jugendlicher in unserem Landkreis, sondern kann ebenso ein Standortvorteil für Kommunen sein.“ Mit diesen Worten lud Landrat Thomas Bold am Dienstag (19.06.18) die Bürgermeister und Jugendbeauftragten in den Großen Sitzungssaal des Landratsamtes ein.

Zunächst informierte der Experte für digitale Bildung, Alexander Schmieden, von der Firma just ask! aus Maßbach über die Chancen einer digitalen Beteiligung junger Menschen und gab Input, wie diese in der Kommune gelingen kann. Zur Veranschaulichung bezog er dabei digitale Umfrage-Apps in seine Präsentation mit ein. Außerdem kamen Jugendliche selbst in einer moderierten Gesprächsrunde zu Wort.

Im Gespräch – Jugendliche berichten

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So waren aus der Stadt Bad Kissingen drei junge Menschen aus dem Jugend- und Kulturzentrum gekommen, um den Teilnehmer*innen von ihren Erfahrungen mit Beteiligung im Rahmen des Filmteams „Bad Kissingen TV“ zu berichten. Darüber freute sich auch das Stadtoberhaupt, denn die Stadt investiert gezielt in die Jugendbeteiligung: „Wir sind froh über die Gelegenheit einen Jugendbeirat als beratendes Organ in Jugendfragen nutzen zu können, und das tun wir auch,“ stellte Oberbürgermeister Kay Blankenburg fest. Man sei gut aufgestellt hinsichtlich der Einbeziehung junger Menschen über den Beirat, aber es gäbe auch hier noch Spielraum, stellte das Stadtoberhaupt gleichzeitig fest.

Daneben ging es bei der Fachveranstaltung am Dienstag außerdem um die Erfahrungen mit neuen Beteiligungsprojekten u.a. in Münnerstadt und Geroda-Platz aber auch Wildflecken und Bad Brückenau. Hier konnte das Regionalmanagement des Landkreises mit seinem Projektmanagement Demographie in den vergangenen drei Jahren wertvolle Erfahrungen sammeln: Was funktioniert in der Zusammenarbeit mit den jungen Menschen und was geht eher nicht, wenn eine Stadt oder Gemeinde ihre jungen Menschen in die Gestaltung einbeziehen möchte. „Wenn der Bürgermeister seine Jugendlichen persönlich einlädt und mit Vornamen anspricht. Das funktioniert gut“, ist beispielsweise die Erfahrung von Bürgermeister Alexander Schneider aus Geroda-Platz. In dem Markt hat sich vor zwei Jahren ein Jugendrat gebildet, der zum Beispiel einen Grillplatz geplant und verwirklicht hat. Heute ein schöner Treffpunkt im Freien für alle Generationen zum Grillen oder Picknicken.

Dem kann sich auch der Stadtjugendpfleger von Münnerstadt und Mitarbeiter von Pro Jugend, René Felcht, anschließen: In Münnerstadt hatte der Bürgermeister zwei Jahre in Folge die Jugendlichen persönlich eingeladen. Jedes Mal waren sie gekommen, um zu sagen, was fehlt und um eigene Projekte zu gestalten, wie zum Beispiel ein Fest für junge Menschen und einen eigenen Stand beim Stadtfest.

Digitale Beteiligung, ohne Überforderung

Zur Behandlung dieses Themas war Regina Renner vom Bayerischen Jugendring angereist. Die Referentin widmete sich abschließend der Frage, wie kann digitale Beteiligung gelingen, ohne Verwaltung sowie Stadt- und Gemeinderat zu überfordern, und wie nützlich kann dabei das Internet sein? Die Referentin hatte unter anderem im Landkreis Bad Kissingen zwischen 2016 und 2017 im Rahmen einer Studie die politische Beteiligung junger Menschen im Internet erprobt hat. Sie erläuterte noch einmal, wie wichtig die Kombination von realer und virtueller Beteiligung sei. Außerdem ging sie auf die Erfolgskriterien für Jugendbeteiligung ein.

Alle Teilnehmer*innen des Nachmittags erhielten die eigens dafür angefertigte Broschüre „Neue Formen der Jugendbeteiligung in Städten und Gemeinden“. Darin gibt es einen umfassenden Überblick über die durchgeführten Maßnahmen und gewonnenen Erkenntnisse. Die Broschüre wird außerdem im Nachgang an die Stadt- und Gemeinderäte im Landkreis verteilt.

Als Ausblick unterbreitete die Leiterin des Regionalmanagements, Cordula Kuhlmann, das Angebot an die Städte und Gemeinden, sich als Pilotkommune für digitale Jugendbeteiligung zu bewerben und dabei in den weiteren Schritten durch das Regionalmanagement des Landkreises begleitet zu werden.

Hintergrund:

Im Herbst 2015 hat das Projektmanagement „Demographie“ vom Landkreis Bad Kissingen damit begonnen, eine Empfehlung aus der repräsentativen Jugendbefragung von 2013 umzusetzen, wonach neue Formen der Kinder- und Jugendbeteiligung in der Kommune erprobt werden sollten. Die Umfrage hatte zuvor gezeigt, dass einiges Potential zur Mitwirkung junger Menschen an den Geschicken der Kommune nicht genutzt wurde. Im Rahmen einer gebildeten Arbeitsgruppe aus jungen Menschen, Bürgermeistern, Jugendbeauftragten und Mitarbeitern der kommunalen Jugendarbeit kristallisierten sich die Gemeinde Geroda-Platz und die Stadt Münnerstadt zu Modellgemeinden heraus. Die Stadt Bad Brückenau und der Markt Wildflecken meldeten ebenfalls Bedarf an der Durchführung einer Beteiligungsform an. Glücklicherweise viel genau in diese Projektlaufzeit das Angebot des Bayerischen Jugendrings zur Beteiligung am Modellvorhaben „politische Beteiligung junger Menschen im Internet“, wofür sich der Landkreis Bad Kissingen beworben hat und schließlich ausgewählt wurde. Anschließend wurden in Geroda-Platz und Münnerstadt Erfahrungen gesammelt, wie online-Beteiligung funktionieren kann und wo die Grenzen ihrer Wirksamkeit sind. Die Erfahrungen aus diesen Kommunen zur online- und offline-Beteiligung wurden in der Fachveranstaltung am Dienstag und der angefertigten Begleitbroschüre zusammengefasst.

 

Das Regionalmanagement wird gefördert durch das Bayerische Staatsministerium der Finanzen, für Landesentwicklung und Heimat.

 

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